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Bremen (ots) - Gerade wenn man die Bundeswehr für unverzichtbar hält, muss man sich dem Befund stellen, dass kaum ein Jahr ohne gravierenden "Vorfall" vergeht: Vor der massenhaften Rekrutenmisshandlung 2004 in Coesfeld gab es bereits "Folterspiele" und Scheinhinrichtungen in Hammelburg, Daun, Varel, Ahlen, Brandenburg - danach ging es mit menschenverachtenden Schikanen in Zweibrücken, einer Leichenschändung in Afghanistan und rassistischen Ausfällen in Rendsburg munter weiter. Offenbar hat die Bundeswehr ein flächendeckendes Problem, dass sich nicht mehr mit dem Hinweis relativieren lässt, man sei schließlich ein Unternehmen mit 250.827 Mitarbeitern. Denn diese Mitarbeiter machen ja keinen x-beliebigen Job, sondern einen im Zweifelsfall hochriskanten in einem hochsensiblen Bereich. Wenn es dort nun ausgerechnet bei den Ausbildern regelmäßig zu Ausfällen kommt, müssen die Alarmglocken schrillen. In Teilen des Unteroffizierscorps, aber auch bei manchen Offizieren scheinen eben jene Werte nicht mehr verankert zu sein, die den "Staatsbürger in Uniform" ausmachen. Man möchte sich nicht vorstellen, wie jemand in einem Krisengebiet mit Gefangenen umspringt, der schon seinen Rekruten Stromstöße und Schläge als Teil der Ausbildung zumutet. Wenn sich trotz aller verbriefter Möglichkeiten kein einziger der 163 Coesfelder Rekruten darüber beschwert hat, ist die Verrohung offenbar schon weit fortgeschritten und akzeptiert. Ja, die Truppe ist kein Mädchenpensionat und die Ausbildung muss natürlich realitätsnah sein - nicht zuletzt zum Schutz der Soldaten. Drill, Dreck, rauher Ton, wenig Schlaf, Stress und auch einmal Anstrengung bis zur physischen Erschöpfung gehören sicherlich dazu. Dennoch: Wir reden bei Coesfeld von einem Instandsetzungsbataillon, nicht von der Fremdenlegion, den Marines, dem KSK oder dem Special Air Service. Es geht hier nicht um Elitekämpfer, die im Gebirge Terroristen jagen oder hinter den feindlichen Linien operieren sollen, sondern um Mechaniker und Elektriker in Uniform. Dass die als "Höhepunkt der Ausbildung" nicht zu Opfern einer fingierte Geiselnahme werden müssen, haben die Münsteraner Richter nun klar gestellt. Ein notwendiges Signal, denn gestern wurden nur die leichten Fälle, die Einmaltäter, abgeurteilt. Ihre elf mitangeklagten Kameraden hatten die Rekruten-Schinderei offenbar ja schon systematisch betrieben. Zu ihren Gunsten könnte man annehmen, dass nicht Sadismus sie leitete, sondern die irrige Annahme, Soldaten könnten in der Ausbildung "auf Alles" vorbereitet werden. Genau das können sie aber nicht, denn keinem Ausbilder fiele ein, auf Rekruten auch einmal scharf zu schießen - oder doch?
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