Svennie - auch viele Männer fühlen sich heute durch Musterungen und Zwangsidenst (mehr als) belästigt.
Natürlich. Niemand bestreitet das.
Da kann in dem verstaubten Grundgesetz stehen was will : ich glaube nicht dass Artikel 12a GG heute noch in Bezug auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Männern und Frauen einer inhaltlichen Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht standhalten würde.
Doch, das hält einer inhaltlichen Überprüfung stand.
Und wenn doch : wie in einigen anderen Beispielen der jüngsten Vergangenheit könnte der europäische Gerichtshof dann antiquierte deutsche Rollenverständnisse schnell "kassieren".
Nein, auf welcher Grundlage denn?
Es ist nunmal so, dass Männer und Frauen anatomisch nicht gleich sind.
Es ist allerdings auch so, dass ein Eingriff - wie die Wehrpflicht - auf das absolute Mindestmaß zu begrenzen ist. In den letzten knapp 20 Jahren hatten wir eine Wehrpflicht als Selbstzweck. Wehrpflicht der Wehrpflicht willen, das war unzumutbar. Dies hat das Bundesverfassungsgericht leider nicht so gesehen.
Grundsätzlich ist aber eine Wehrpflicht für den Fall eines Angriffs von außen, der nur mit einem großen Heer bekämpft werden könnte, durchaus vertretbar. Nur ist eben gerade dieser Fall aus mehreren Gründen ausgeschlossen. Der Angriff kommt nicht (von wem denn?) und ein großes Heer braucht man auch nicht mehr (selbst für Angriffskriege nicht) sondern relativ wenige gut ausgebildete und trainierte Spezialisten die dafür angemessen besoldet werden. Gammeldienst für 1,50 Euro die Stunde und Grundausbildung auf Niveau des Volkssturms braucht niemand. Beides ist für einen von Partnern umgebenen Sozialstaat wie es die Bundesrepublik ist vollkommen unvertretbar.
Es hätten sich weitaus weniger Menschen beschwert, wenn die Besoldung bei Wehr- und Zivildienst auch nur halbwegs angemessen wäre und die Tätigkeit auch nur ansatzweise sinnvoll wäre. Also nicht Däumchen drehen oder schikaniert werden im Grundwehrdienst oder jemandem durch den Zivildienst den Arbeitsplatz wegnehmen.
Wenn eine tatsächliche Notwendigkeit bestünde in der Bundeswehr Dienstposten zu besetzen und andere geeignete Maßnahmen (angemessener Sold etc.) nicht zu einer Verbesserung der Lage führen, dann wäre eine Wehrpflicht in meinen Augen grundsätzlich vertretbar. Die für die Wehrpflichtigen eintretenden Nachteile sind aber - anders als bislang - auch angemessen auszugleichen.
Auch ich finde diese Massnahme (Brief an alle Frauen) für eher lächerlich.
In der Tat. Aber es wäre in der Tat interessant zu wissen, wie diese Briefe formuliert sind. Sicher nicht, wie meine Ladung zur Musterung.
Aber : schauen wir mal nach Frankreich
Man muss aber auch sagen, dass die Armee in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert hat.
Mich persönlich hat es beispielsweise angewidert, einen Einberufungsbescheid zu bekommen dem ich entnehmen konnte, dass die Kaserne nach einem faschistischen Kriegsverbrecher benannt war. Dazu das Wissen, dass der Sold geringer ist als Sozialleistungen der Grundsicherung. Der Tag fing damals also schon richtig scheiße an.
Der erwähnte eintägige Einführungsveranstaltung in Frankreich dagegen hätte ich halt auf einer Arschbacke abgessen und gut ist. Wenn dann vielleicht noch ein vernünftiges Jobangebot gekommen wäre, dann hätte ich vielleicht sogar mal drüber nachgedacht. Aber so wie sich die Wehrbehörden in Deutschland aufgeführt haben, da muss man sich doch nicht wundern, dass da niemand mitspielen möchte.
Erst das vollkommen lächerliche Musterungsverfahren, vollkommen beschränkte Argumente in diversen Widerspruchsverfahren und dann eine Kaserne mit lauter baufälligen Gebäuden in denen das pure Chaos herrschte. Einfach nur abstoßend.
Unfassbar - wohin werden die wohl umgebettet ? Was anderes als "umbetten" fällt einem da wirklich nicht mehr ein ...
Vielleicht erfindet man einfach ein neues Amt - wie beim Bundesamt für den Zivildienst. Da hat man ja sogar wie diese unnützen Zivildienstschulen eine neue Verwendung gefunden.
Und ansonsten hält man es einfach mit dem Leiter des KWEA Wesel. Der will einfach weiter machen. Zur Not werden halt Zeit- und Berufssoldaten ärztlich untersucht:
http://blog.musterungsforum.de/2010/09/kwea-chef-aus-wesel-ich-bleibe-auch-ohne-wehrpflicht/Bei der Privatisierung von Post und Telekom hat man ja viele Beamte zu den Arbeitsagenturen umgesetzt. Den richtigen Ton haben die Leute schon drauf, ich denke, dort könnte man sie auf lange Sicht unterbringen.