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Neuestes Mitglied: johnbor58

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Autor Thema: Wehrpflicht soll "nur" noch sechs Monate dauern  (Gelesen 1372 mal)
Attila
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Beiträge: 13


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« am: 22. Oktober 2009, 16:44:38 »

Wehrpflicht soll nur noch sechs Monate dauern

Berlin (dpa) - Der Wehrdienst für junge Männer soll verkürzt werden. Vertreter von Union und FDP haben sich in ihren Koalitionsgesprächen darauf verständigt, die Wehrpflicht grundsätzlich zu erhalten. Der derzeit neun Monate dauernde Wehrdienst soll zum 1. Januar 2011 auf sechs Monate verkürzt werden.

War klar, dass Union eine Abschaffung nicht zulassen würde.


Quelle:
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,656773,00.html
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2009, 16:49:54 von Attila » Gespeichert
sunknown
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Beiträge: 364


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« Antworten #1 am: 22. Oktober 2009, 21:08:38 »

das sind ja interessante infos!
hätte ich niemals gedacht, dass die union sowas mitmachen würde! bin gespannt ob sich das bestätigt.

fraglich ist nun, ob man die möglicherweise verkürzte wehrdienstdauer dazu nutzt wieder einen prozentual höheren anteil der wehrdienstpflichtigen einzuberufen.


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sunknown
Sr. Member
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Beiträge: 364


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« Antworten #2 am: 26. Oktober 2009, 23:20:37 »

nun da die sache soweit in trockenen tüchern ist, stellt sich die frage nach den konsequenzen.
es ist zu erwarten, dass die tauglichkeitskriterien wieder anziehen werden. für die jungen jahrgänge, die gerade in die wehrpflicht wachsen und bei denen die 23 jahre noch weit entfernt sind, kann deswegen sogar eine bitte ans KWEA nach früherer musterung sinnvoll sein.
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svennie
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Beiträge: 6.271


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« Antworten #3 am: 27. Oktober 2009, 01:56:08 »

nun da die sache soweit in trockenen tüchern ist, stellt sich die frage nach den konsequenzen.
es ist zu erwarten, dass die tauglichkeitskriterien wieder anziehen werden.

Doch aber nur, wenn die Bundeswehr willens und in der Lage ist, noch weitere Ressourcen für die Ausbildung von Soldaten bereitzustellen oder die Grundausbildung wieder auf 2 Monate zu verkürzen.

Um diese Frage (und natürlich weitere) zu beantworten, soll lt. Koalitionsvertrag erstmal eine Kommission eingesetzt werden. Lassen wir uns überraschen.
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alexis
Jr. Member
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Beiträge: 99


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« Antworten #4 am: 27. Oktober 2009, 06:49:10 »


Doch aber nur, wenn die Bundeswehr willens und in der Lage ist, noch weitere Ressourcen für die Ausbildung von Soldaten bereitzustellen oder die Grundausbildung wieder auf 2 Monate zu verkürzen.

Um diese Frage (und natürlich weitere) zu beantworten, soll lt. Koalitionsvertrag erstmal eine Kommission eingesetzt werden. Lassen wir uns überraschen.

Es ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass die Tauglichkeitskriterien wieder gelockert werden. Das Anliegen der FDP war es die Wehrpflicht abzuschaffen wegen der Wehrungerechtigkeit ... die feiern die 6 Monate  jetzt als Erfolg, da mehr Wehrgerechtigkeit hergestellt werden kann, da mehr eingezogen werden können ... abstruse Logik, aber so haben sich FDP Politiker in den letzten Tagen geäussert.

Ausserdem dürfen die ja nie vergessen, dass bei weiter anhaltender Wehrungerechtigkeit das Verfassungsgericht doch mal Ernst machen könnte.

Die überwiegenden Kommentare aus Kreisen der neuen Regierungsparteien in den letzten Tage sprachen davon, dass die Wehrpflicht unabdingbar ist um sicherzustellen, dass die Bundeswehr aus den "Gezwungenen" genug "Freiwillige" für den Kriegsdienst finden kann ... die Begründungen für den Zwangsdienst werden immer schwachsinniger. Alle anderen westlichen Staaten schaffen dies mittlerweile auch ohne Zwangsdienst, aber ZWANG ist halt etwas urdeutsches, das man nicht so gerne aufgibt ...

Liest mal auf SPIEGEL ONLINE einige Kommentare zu 6 Monaten Wehrpflicht. Da äussert sich ein ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr mit "das ist absoluter Unsinn, dann lieber die Wehrpflicht abschaffen". Noch deutlicher wird ein Bundeswehr-Kompaniechef, der 6 Monate Wehrdienst als völlig unzureichend bezeichnet - dann lieber abschaffen ist auch seine Konsequenz.

Die Leiche "Wehrpflicht" liegt schon seit Jahren im Keller. Man versucht mit immer neuen Mitteln den Raum so abzudichten, dass der Verwesungsgestank nicht nach aussen dringt - vergeblich. Mittlerweile braucht man schon allerstärkste Gasmasken um sich den Gestank vom Leib zu halten ... aber lieber laufen CDU/CSU 24 Stunden mit Gasmasken rum, bevor sie der Wehrpflicht eine angemessene "Beisetzung" gönnen.

Ich selbst habe noch eine kleine Hoffnung, dass wir zum 01.01.2011 doch die Abschaffung der Wehrpflicht bekommen. Die Kritik auch aus der Bundeswehr wird weiter zunehmen ... vielleicht kommt die angekündigte Kommission auch zur Erkenntnis, dass das keinen Sinn macht und dass man andere Mittel finden muss um genug Freiwillige für die zu schaffende Berufsarmee zu finden.

Konservative sind halt etwas schwerfälliger wenn es darum geht, von lange gepflegten Gewohnheiten abzurücken
« Letzte Änderung: 27. Oktober 2009, 06:53:08 von alexis » Gespeichert
svennie
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Beiträge: 6.271


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« Antworten #5 am: 27. Oktober 2009, 12:04:42 »

...
Ausserdem dürfen die ja nie vergessen, dass bei weiter anhaltender Wehrungerechtigkeit das Verfassungsgericht doch mal Ernst machen könnte.

Das könnte von der FDP ja letztlich gewollt sein, mein weiß ja nie.

Die überwiegenden Kommentare aus Kreisen der neuen Regierungsparteien in den letzten Tage sprachen davon, dass die Wehrpflicht unabdingbar ist um sicherzustellen, dass die Bundeswehr aus den "Gezwungenen" genug "Freiwillige" für den Kriegsdienst finden kann ...

Das ist aber ein alter Hut, das hört man schon mindestens seit Volker Rühe Verteidigungsminister war regelmäßig. Wahrer wird es dadurch nicht.

die Begründungen für den Zwangsdienst werden immer schwachsinniger.

An der Begründung hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren nichts geändert. Das war schon damals schwachsinnig. Und es hab immer wieder Versuche, dem ein Ende zu bereiten, zum Beispiel durch die Weizsäcker-Kommission im Jahr 2000. Dann kam der 11. September und auf einmal waren andere Themen wichtig.

Ein wichtiges Zitat aus dem Abschlussbericht:

"Da die Wehrpflicht nicht einen Dienst schlechthin, sondern den Wehrdienst zum Inhalt hat, fordert eine verfassungsmäßig gestaltete Wehrpflicht, dass die eingezogenen Soldaten tatsächlich eine militärisch sinnvolle Funktion für die Landesverteidigung haben."

Und genau diese sinnvolle Funtktion ist, wenn man genau hinsieht, schon lange nicht mehr gegeben. Schlagworte wie "Gammeldienst" sind bekannt, die Ausrüstung für Wehrpflichtige ist schlecht und mit dem tatsächlichen Tagesgeschehen in den Streitkräften (Auslandseinsätze und ihre Vorbereitung) haben sie zumeist nichts zu tun, mal ganz abgesehen davon, dass mit dieser Truppe weder ein Krieg zu gewinnen noch - erfolgreich - ein Land zu verteidigen wäre. Es geht nur um das sich alle 3 Monate wiederholende Spielchen, 13.000 neue Rekruten ausbilden zu dürfen, die das zumeist garnicht wollen und in der Bundeswehr folgerichtig keine Perspektive sehen. Diejenigen, die dort ihre Erfüllung sehen und sich dann als Zeit- oder Berufssoldat bewerben, die würden dies auch ohne Wehpflicht tun, zumeist aber eben nur mangels anderer Alternativen (Schlagwort Unterschichtenarmee).

Viel wichtiger ist aber folgende Schlussfolgerung der Kommission:

"Bereits heute liegt der militärische Bedarf der Bundeswehr an Wehrpflichtigen niedriger als die Zahl der verfügbaren jungen Männer; mit den kommenden Jahrgängen wird sich diese Entwicklung noch verstärken. Mit der Begründung, nur durch die möglichst vollständige Ausschöpfung eines Jahrgangs könne die Wehrgerechtigkeit gewahrt werden, wird die Lösung zumeist darin gesucht, die Wehrdienstausnahmen auszuweiten und die Wehrdienstdauer zu verkürzen, damit alle verfügbaren jungen Männer zum Wehrdienst oder zum Zivildienst einberufen werden können.

Die Kommission hält es für bedenklich, an dieser Praxis festzuhalten. Das Verfahren läuft entweder darauf hinaus, den Umfang der Streitkräfte nicht nach militärischem Erfordernis, sondern nach der Stärke der Geburtsjahrgänge zu bestimmen, oder aber das Aufkommen durch möglichst viele Wehrdienstausnahmen zu begrenzen. Mit dem einen wird die Wehrpflicht ihres Sinnes entleert, mit dem anderen wird die Wehrgerechtigkeit zum Schein. Wer an der Wehrpflicht als Institution festhalten will, kann beides nicht wollen."

Im Ergebnis kam die Kommission zu dem Schluss, dass die Wehrpflicht nur dann sinnvoll ist, wenn der Grundwehrdienst mindestens 10 Monate dauert und nur nach tatsächlichem Bedarf einebrufen wird, wobei der Bedarf bei gleichzeitig etwa 30.000 Rekruten liegt, die Wehrpflicht wäre nur dann vertretbar, wenn der Sold dem der freiwillig Wehrdienstkleistenden entspricht. Man kam aber auch zu dem Schluss, dass die ganze Geschichte mit Gerechtigkeit nicht mehr viel zu tun hat.

Liest mal auf SPIEGEL ONLINE einige Kommentare zu 6 Monaten Wehrpflicht. Da äussert sich ein ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr mit "das ist absoluter Unsinn, dann lieber die Wehrpflicht abschaffen". Noch deutlicher wird ein Bundeswehr-Kompaniechef, der 6 Monate Wehrdienst als völlig unzureichend bezeichnet - dann lieber abschaffen ist auch seine Konsequenz.

Ich behaupte einfach mal, dass so gut wie alles über dem Rang eines Hauptmanns ein Problem mit der Wehrpflicht hat. Wehrpflichtige sind nicht flexibel einsetzbar (Auslandseinsätze) und kaum motiviert. Und die unteren Dienstgrade finden die Wehrpflicht nur dann toll, wenn sie selbst etwas mit der Ausbildung von Rekruten bzw. "Beaufsichtung" von "Gammeldienstleistenden" zu tun haben, weils sie dann selbst nicht nach Afghanistan müssen. Die Tätigkeit in Ausbildungskompanien ist beliebt, aber eben nur aus diesem einen Grund.

Konservative sind halt etwas schwerfälliger wenn es darum geht, von lange gepflegten Gewohnheiten abzurücken

Das waren wie schon immer, deshalb heißen sie ja Konservative  Grinsend

Erstaunlich ist nur, dass diese Partei mit dem C im Namen Erfolg damit hat, von ihr betriebene SPD-Politik bei ihren Wählern als Erfolg zu veraufen.
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