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Autor Thema: Nachmusterung - posttraumatische Belastungsstörung  (Gelesen 981 mal)
Zufall
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Beiträge: 3


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« am: 13. Juli 2010, 18:45:18 »

Hallo Musterungsforum-Member! Smiley

Ich möchte kurz meine Situation schildern, vielleicht kann mir jemand helfen.
Im Jahre 2007 bin ich gemustert worden. T2. Ich habe den Wehrdienst verweigert und beim Bundesamt für den Zivildienst einen Aufschub meiner Pflicht erbeten, nämlich bis 2010. Diese wurde mir auch genehmigt, da ich eine Schule besucht und auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachgeholt habe. Vor ein paar Wochen erreichte mich also mein Einzugsbescheid zum 1.10.2010.

Das Problem ist, dass ich seit einem längeren Zeitraum (3 Monate) gesundheitlich in einem schlechten Zustand bin. Der neue Lebensabschnitt hat in mir vieles aufgeworfen, sodass ich eine depressive Neigung entwickelte, die sich auch körperlich niederschlägt. Also besuchte ich meine Hausärztin, die mich zu einem Psychologen überwies. Dort bin ich seit einigen Stunden und heute hat sie mir mitgeteilt, dass sie mich als posttraumatisch belastungsgestört einordnen würde. Sie beantragt nun bei meiner Kasse eine Therapie, die sich einige Zeit lang hinziehen wird. Dies erscheint sinnvoll. Es gab viele psychische Krankheiten in meiner Familie, ich bin in einem Umfeld mit häuslicher Gewalt und Drogenmissbrauch aufgewachsen. Als ich in 2007 gemustert wurde, war das alles noch kein Thema. Heute ist es das.

Ich habe also eine Nachuntersuchung beim BAZ beantragt. Diese wurde auch durchgeführt und ich muss gestehen, dass mich noch niemals in meinem Leben etwas so sehr gedemütigt hat wie das Gespräch mit dem Arzt. Der Mann tat alles ab, was ich ihm mitteilte. Etwa, dass ich in den letzten Wochen insgesamt 9 Kilogramm verloren habe (wiege nun 76 kg). Das sei eine normale Schwankung. Dass ich pro Nacht nur noch 2 bis 4 Stunden schlafe. Ich solle eben früher ins Bett gehen, meinte er. Dass ich unter Ängsten leide. War ihm alles egal. Ich teilte ihm mit, dass ich eine psychologische Behandlung anstrebe, aber daraufhin meinte er nur, er würde mich erst einmal zu einem RICHTIGEN Psychologen schicken, der dann feststellen wird, ob ich tauglich bin oder nicht.

Meine Psychologin fand das bestenfalls erheiternd, aber so ist es nunmal. Ich muss jetzt den Termin beim von ihm verordneten Psychologen wahrnehmen. Nächsten Donnerstag. Ich mache mir kaum mehr Hoffnungen. Der Mann wird wohl genauso ein verstockter Bürokrat sein wie der Arzt, bei dem ich schon wahr. Ist sowas überhaupt zulässig? Mann ...

Nevertheless ... ich bin jetzt 23 Jahre alt. Mit meinem 25. Geburtstag kann mich der Zivildienst sowieso an den Füßen küssen. Zur Bundeswehr käme ich nach all diesem Mist sowieso nicht, aber wird der Zivildienst da mitspielen? Der Arzt sagte mir schon, dass es praktisch keinen Grund dafür gibt, untauglich für Zivildienst zu sein, weil das ja eine ganz normale Arbeitsstelle ist. Ich kann mir das beinahe nicht vorstellen. Warum sollte das BAZ andere Kriterien anlegen als das KWEA? Als wäre jeder Mensch, der wegen Rotznase oder Brille vom KWEA ausgemustert wird, nicht in der Lage trotzdem Zivildienst zu machen. Damit unterstellt man den T5ern ja, dass sie niemals in der Lage sein werden, einen ganz normalen Beruf zu ergreifen und ihr Leben zu regeln. Ich finde das alles schon sehr grenzwertig. Ich bin ziemlich aufgebracht.
Wäre schön, wenn mir jemand sagen könnte, wie meine Chancen stehen, das ersehnte "untauglich" zu lesen. Wie sollte ich weiter verfahren? Soll ich zur Not meine Verweigerung zurückziehen oder sowas?

Liebe Grüße,
Zufall
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svennie
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Beiträge: 6.272


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« Antworten #1 am: 13. Juli 2010, 19:35:12 »

Im Jahre 2007 bin ich gemustert worden. T2.

Das steht aber nicht so in dem Bescheid, oder!?  Zwinkernd

Ich habe den Wehrdienst verweigert und beim Bundesamt für den Zivildienst einen Aufschub meiner Pflicht erbeten, nämlich bis 2010. Diese wurde mir auch genehmigt, da ich eine Schule besucht und auf dem zweiten Bildungsweg mein Abitur nachgeholt habe.

Du hattest einen Rechtsanspruch auf Zurückstellung, den hättest du aber auch gehabt, wenn du keinen Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer gestellt hättest. Sei es drum, du hast dir aber einige Optionen verbaut.

Vor ein paar Wochen erreichte mich also mein Einzugsbescheid zum 1.10.2010.

Du bist einberufen? Oder wie ist dieser Satz zu verstehen?

Ich habe also eine Nachuntersuchung beim BAZ beantragt. Diese wurde auch durchgeführt und ich muss gestehen, dass mich noch niemals in meinem Leben etwas so sehr gedemütigt hat wie das Gespräch mit dem Arzt.

Ja, so sind sie leider, diese Ärzte...

Der Mann tat alles ab, was ich ihm mitteilte. Etwa, dass ich in den letzten Wochen insgesamt 9 Kilogramm verloren habe (wiege nun 76 kg). Das sei eine normale Schwankung. Dass ich pro Nacht nur noch 2 bis 4 Stunden schlafe. Ich solle eben früher ins Bett gehen, meinte er. Dass ich unter Ängsten leide. War ihm alles egal. Ich teilte ihm mit, dass ich eine psychologische Behandlung anstrebe, aber daraufhin meinte er nur, er würde mich erst einmal zu einem RICHTIGEN Psychologen schicken, der dann feststellen wird, ob ich tauglich bin oder nicht.

Hm. Du warst bereits in Therapie?

Meine Psychologin fand das bestenfalls erheiternd, aber so ist es nunmal. Ich muss jetzt den Termin beim von ihm verordneten Psychologen wahrnehmen. Nächsten Donnerstag. Ich mache mir kaum mehr Hoffnungen. Der Mann wird wohl genauso ein verstockter Bürokrat sein wie der Arzt, bei dem ich schon wahr. Ist sowas überhaupt zulässig? Mann ...

Zulässig ist vieles, es wäre aber sicherlich leichter gewesen, wenn du kein Kriegsdienstverweigerer wärst.

Der Arzt sagte mir schon, dass es praktisch keinen Grund dafür gibt, untauglich für Zivildienst zu sein, weil das ja eine ganz normale Arbeitsstelle ist.

Das ist schön, dass er dieser Meinung ist.

Maßstab ist aber allein die Tauglichkeit für den Grundwehrdienst.

Ich kann mir das beinahe nicht vorstellen. Warum sollte das BAZ andere Kriterien anlegen als das KWEA?

Das BAZ legt nur einige Regelungen anders aus. Ein weiteres Problem sind halt Ärzte, die eben nicht nach den maßgeblichen Kriterien urteilen, sondern aus dem Bauch heraus.

Als wäre jeder Mensch, der wegen Rotznase oder Brille vom KWEA ausgemustert wird, nicht in der Lage trotzdem Zivildienst zu machen. Damit unterstellt man den T5ern ja, dass sie niemals in der Lage sein werden, einen ganz normalen Beruf zu ergreifen und ihr Leben zu regeln. Ich finde das alles schon sehr grenzwertig. Ich bin ziemlich aufgebracht.

Verständlich.

Nur mal vorneweg, Tauglichkeitsgrade sind nicht numeriert, wirklich nicht. Deswegen gibt es keine "T5er", genausowenig gibt es "T2er".

Aus der Tauglichkeit für den Grundwehrdienst kann man im normalen Leben auf nichts schließen, aus der Untauglichkeit auch nicht.

Wäre schön, wenn mir jemand sagen könnte, wie meine Chancen stehen, das ersehnte "untauglich" zu lesen. Wie sollte ich weiter verfahren? Soll ich zur Not meine Verweigerung zurückziehen oder sowas?

Die Kernfrage ist doch, was sagt deine Therapeutin dazu?

Hat sie dir irgend etwas attestiert? Hat sie irgendwelche Schlussfolgerungen gezogen?
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Zufall
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Beiträge: 3


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« Antworten #2 am: 13. Juli 2010, 19:49:48 »

Danke schonmal für die Informationen!

Zitat
Im Jahre 2007 bin ich gemustert worden. T2.
Hm nee, gehe ich mal nicht von aus. Zwinkernd Wurde mir aber so von denen gesagt.

Zitat
Du bist einberufen? Oder wie ist dieser Satz zu verstehen?
Meine Heranziehung zum 1.10.2010 wurde angekündigt.

Zitat
Hm. Du warst bereits in Therapie?
Meine Psychologin hat heute bei meiner Krankenkasse den Antrag auf 25 Sessions gestellt, die die Behandlung erst einmal laufen soll. Sie sagte, dass sie nicht wisse, ob es damit tatsächlich getan sein wird. Es ist meine erste Therapie, da ich mich zum ersten Mal in einer derartigen gesundheitlichen Lage sehe.

Zitat
Ein weiteres Problem sind halt Ärzte, die eben nicht nach den maßgeblichen Kriterien urteilen, sondern aus dem Bauch heraus.
Bürokraten. Ärgerte mich maßlos. Ich will lediglich, dass Gerechtigkeit waltet - mit Recht hat das hierzulande leider nicht mehr viel zu tun. Traurig

Meine Therapeutin hat mir noch nichts attestiert, ich könnte mir wohl aber so etwas geben lassen, weil sie ja den Antrag stellt um bei der Krankenkasse die Behandlung zu beantragen.

Alles total verquer ... ich würde eigentlich gerne zum Oktober hin studieren, nächstes Jahr wäre ich dann ja schon im 3. Semester und damit unantastbar. Ob ich das gesundheitlich schaffe, weiß ich derzeit leider noch nicht. Momentan arbeite ich Teilzeit, weil ich mehr nicht auf die Reihe bekomme.

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sunknown
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« Antworten #3 am: 14. Juli 2010, 23:00:19 »

Zitat
Meine Heranziehung zum 1.10.2010 wurde angekündigt.
gut, dann bist du derzeit noch nicht einberufen, sondern das BAZ wartet vermutlich auf den vorschlag einer dienststelle von dir. du wurdest doch dazu aufgefordert, dir eine dienststelle zu suchen?!


Zitat
Bürokraten. Ärgerte mich maßlos. Ich will lediglich, dass Gerechtigkeit waltet - mit Recht hat das hierzulande leider nicht mehr viel zu tun. Traurig
das was dir der arzt erzählt hat kann dir letztendlich vollkommend egal sein, entscheidend ist, dann er dich zu dem phsychologen/psychiater überwiesen hat. diese untersuchung gilt es nun bestmöglichst vorzubereiten.

Zitat
Meine Therapeutin hat mir noch nichts attestiert, ich könnte mir wohl aber so etwas geben lassen, weil sie ja den Antrag stellt um bei der Krankenkasse die Behandlung zu beantragen.
schade, dass die untersuchung nicht beim KWEA stattfindet, dann wäre es vermutlich einfacher. wichtig ist nun das fachärztliche attest, dass deine psychischen probleme in all ihrer härte bestätigt.
selbst hast du aber keine drogenprobleme, oder?
du schreibst, dass die untersuchung beim psychologen donnerstags ist, das wäre ja schon morgen?! wenn dem so ist, dann sei beharrlich und achte darauf, dass der phsychiater alles von gewichtsverlust bis schlaflosoigkeit notiert.
denkbar wäre eine vorrübergehende dienstunfähigkeit.


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Zufall
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Beiträge: 3


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« Antworten #4 am: 14. Juli 2010, 23:38:42 »

Zitat
gut, dann bist du derzeit noch nicht einberufen, sondern das BAZ wartet vermutlich auf den vorschlag einer dienststelle von dir. du wurdest doch dazu aufgefordert, dir eine dienststelle zu suchen?!
Ja, habe ich aber bis dato noch nicht getan, weil das mit der Nachuntersuchung ja erst einmal ansteht.

Zitat
das was dir der arzt erzählt hat kann dir letztendlich vollkommend egal sein, entscheidend ist, dann er dich zu dem phsychologen/psychiater überwiesen hat. diese untersuchung gilt es nun bestmöglichst vorzubereiten.
Ich muss das nicht groß vorbereiten, ich bin ja schon krank. Ich bin ja tatsächlich krank. Umso mehr wollte ich dem Mistkerl an die Gurgel gehen, nachdem er so getan hat, als würde ich nur simulieren und alle Gebrechen heruntergespielt hat.

Zitat
schade, dass die untersuchung nicht beim KWEA stattfindet, dann wäre es vermutlich einfacher. wichtig ist nun das fachärztliche attest, dass deine psychischen probleme in all ihrer härte bestätigt.
selbst hast du aber keine drogenprobleme, oder?
du schreibst, dass die untersuchung beim psychologen donnerstags ist, das wäre ja schon morgen?! wenn dem so ist, dann sei beharrlich und achte darauf, dass der phsychiater alles von gewichtsverlust bis schlaflosoigkeit notiert.
denkbar wäre eine vorrübergehende dienstunfähigkeit.
Nein, ich habe keine Drogenprobleme. Ich habe vor langer, langer Zeit mal gekifft, das spielte aber wohl keine Rolle, denn weder das KWEA noch den Zivi-Arzt interessierte das irgendeinen Scheiss. Die Untersuchung ist nächste Woche Donnerstag. Ich werde ihm einmal mein komplettes Leiden schildern. Mehr kann ich ja nicht tun. In psychologischer Behandlung bin ich ja bereits.

Ein Bekannter von mir wurde früher (mit 22) angeschrieben und gemustert, er litt an mittelschweren Depressionen. Ihm wurde damals gesagt, dass nach dem Abschluss der Therapie in der Regel eine zweijährige Wartezeit eingehalten wird, bevor es weiter geht. Weiss darüber jemand etwas? Bei mir ist es ja so, dass ich 2012 endgültig 25 werde ... oder, wenn ich das mit dem Studieren auf die Reihe bekomme, nächstes Jahr Oktober theoretisch im 3. Semester bin. Dann kann mir ja keiner mehr was, right?
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